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Anita Gerhardter – Die Frau hinter Wings for Life: Vision, Leidenschaft und der Kampf gegen die Querschnittslähmung

Eine Stiftung mit Herz und Hintergrund

Wenn man den Namen Anita Gerhardter hört, denkt man unweigerlich an Wings for Life – die international renommierte Non-Profit-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Querschnittslähmung heilbar zu machen. Doch hinter dem institutionellen Namen steht eine Frau, deren Engagement weit über berufliche Pflichten hinausgeht. Gerhardter ist nicht nur Geschäftsführerin einer erfolgreichen Stiftung – sie ist das Herz, das Gehirn und die Seele einer Bewegung, die täglich wächst.

Die Geschichte von Wings for Life beginnt im Jahr 2003, als Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz gemeinsam mit dem österreichischen Motorsportler Heinz Kinigadner die Stiftung ins Leben rief. Auslöser war ein tragischer Unfall: Heinz Kinigadners Sohn Hannes verunglückte bei einem Motocross-Rennen schwer und war seitdem gelähmt. Mateschitz und Kinigadner erkannten damals, dass die Forschung zur Heilung von Rückenmarksverletzungen erschreckend unterfinanziert war. Sie beschlossen, das zu ändern – und gründeten Wings for Life, um diese Lücke zu schließen. Anita Gerhardter übernahm früh die Führung dieser Stiftung und sollte sie zu dem machen, was sie heute ist: eine der bedeutendsten Organisationen im Bereich der Rückenmarksforschung weltweit.

Wer ist Anita Gerhardter?

Anita Gerhardter ist eine österreichische Managerin, deren Werdegang untrennbar mit Wings for Life verbunden ist. Als CEO der Stiftung trägt sie die Gesamtverantwortung für Strategie, Teamführung, Kommunikation und die Ausrichtung der wissenschaftlichen Förderarbeit. Ihre Rolle unterscheidet sich dabei kaum von der eines CEOs in der Wirtschaft: Sie baut Teams auf, setzt Visionen um, gestaltet die Unternehmenskultur und trifft richtungsweisende Entscheidungen.

Doch was Gerhardter von vielen Führungspersönlichkeiten unterscheidet, ist die zutiefst persönliche Verbundenheit mit der Mission ihrer Stiftung. Die Kinigadner-Familie und sie sind seit vielen Jahren befreundet. Der Unfall von Hannes Kinigadner im Jahr 2003 hat sie tief getroffen. Dieses Ereignis ist nicht nur der historische Ursprung von Wings for Life – es ist der emotionale Motor, der Gerhardter bis heute antreibt. Ihr größter persönlicher Wunsch ist simpel und doch tiefgründig: einmal gemeinsam mit Hannes an einer Bar stehen und ein „Seidel” – so nennt man in Österreich ein kleines Bier – trinken zu können. Dieser Wunsch ist mehr als Sentimentalität; er steht symbolisch für all jene Menschen weltweit, denen Wings for Life eine neue Chance auf Bewegungsfreiheit geben möchte.

Die Mission: Querschnittslähmung heilbar machen

Wings for Life verfolgt ein klares, ambitioniertes Ziel: die Querschnittslähmung heilbar zu machen. Die Stiftung fördert internationale Forschungsprojekte, die sich mit biologischen Reparaturstrategien des Rückenmarks befassen. Als Gerhardter ihre Tätigkeit bei Wings for Life begann, gab es kein einziges klinisches Forschungsprojekt, das von der Stiftung unterstützt werden konnte. Alle damaligen Projekte befanden sich im Grundlagenbereich oder der Präklinik. Heute ist das Bild ein völlig anderes.

Gerhardter beschreibt die Forschungsarbeit treffend als das Legen eines Mosaikbildes: Jedes Projekt, das Wings for Life fördert, fügt einen weiteren kleinen Stein ein. Stück für Stück werden die weißen Flächen des Unwissens ausgefüllt – und die Wissenschaft kommt ihrem großen Ziel näher. In den vergangenen Jahren hat sich die Dynamik spürbar beschleunigt. Wissenslücken, die früher Jahrzehnte zu füllen schienen, werden heute in deutlich kürzerer Zeit geschlossen.

Ein besonders bewegendes Beispiel für den Fortschritt dieser Arbeit lieferte der querschnittsgelähmte David Mzee: Nach seiner Teilnahme an einer von Wings for Life geförderten Studie konnte er im Jahr 2018 tatsächlich 375 Meter mit einem Gehhilfsmittel zurücklegen – ein medizinisches Wunder, das zuvor als nahezu unmöglich galt.

Transparenz als Grundprinzip: 100 Prozent für die Forschung

Eines der bemerkenswertesten Merkmale von Wings for Life ist sein Finanzierungsmodell. Da alle administrativen Kosten der Stiftung vollständig vom Unternehmen Red Bull getragen werden, fließt jeder einzelne Euro, der durch Spenden, Startgelder oder Fundraising-Aktionen eingenommen wird, direkt in die Forschung. Kein anderer operativer Kostenposten schmälert die Summe, die den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung steht.

Anita Gerhardter betont diesen Aspekt regelmäßig, weil er das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Stiftung erheblich stärkt. In einer Zeit, in der Spendenorganisationen oft unter dem Verdacht stehen, einen großen Teil der Einnahmen für Verwaltung zu verwenden, setzt Wings for Life ein klares Zeichen: Wer hier spendet oder läuft, weiß, dass seine Beiträge vollumfänglich der Wissenschaft zugutekommen.

Der Wings for Life World Run – Eine Idee verändert die Welt

Im Jahr 2014 wurde auf Initiative der Stiftung der Wings for Life World Run ins Leben gerufen – ein Laufevent der völlig anderen Art. Nach zwei Jahren intensiver Planung unter Gerhardters Führung erblickte das Rennen das Licht der Welt, und es war von Anfang an besonders: Statt einer klassischen Ziellinie gibt es bei diesem Event sogenannte Catcher Cars – Fahrzeuge, die mit einer festgelegten Verzögerung hinter den Läuferinnen und Läufern herfahren und diese schließlich einholen. Der Startschuss fällt weltweit simultan, und jede Person läuft so weit sie kann – ob Geherin oder Weltklasseathlet.

Das Revolutionäre an diesem Konzept: Es gibt kein Versagen. Jeder Mensch, der teilnimmt, ist ein Finisher – ganz egal, wie weit er oder sie gekommen ist. „Es ist völlig egal, wie weit du gehst, läufst oder rollst”, sagt Gerhardter. „Du wirst ein Finisher sein.” Diese Botschaft hat Millionen von Menschen weltweit berührt und mobilisiert.

Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2021 wurde der Wings for Life World Run mit 184.236 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum größten Laufevent der Welt. 2023 feierte die Veranstaltung ihr 10-jähriges Jubiläum – mit einem Rekord von 206.728 Teilnehmenden aus aller Welt. Und 2024 wurde dieser Rekord erneut gebrochen: 265.818 Menschen liefen gemeinsam für den guten Zweck. Allein im Jahr 2022 wurden durch den Lauf 4,7 Millionen Euro an Spendengeldern gesammelt. Insgesamt hat der Wings for Life World Run seit seiner Gründung über 33 Millionen Euro für die Rückenmarksforschung eingebracht.

Führung einer globalen Organisation

Unter Anita Gerhardters Leitung hat sich Wings for Life von einer kleinen österreichischen Initiative zu einer global agierenden Stiftung entwickelt. Das Team ist auf rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen, verteilt auf den Hauptsitz in Salzburg sowie Niederlassungen im Vereinigten Königreich (seit 2011) und in den Vereinigten Staaten (seit 2017). Die Stiftung finanziert derzeit Forschungsprojekte in mehr als einem Dutzend Ländern auf vier Kontinenten.

Gerhardter führt ihre Organisation mit dem klaren Blick einer erfahrenen Managerin, aber auch mit der Wärme einer Person, der die Mission wirklich am Herzen liegt. In Interviews beschreibt sie ihre Arbeit als eine Art Brückenbau: zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, zwischen Spendenden und Forschenden, zwischen Hoffnung und Realität. Dabei hat sie stets betont, dass Wings for Life nicht nur eine Stiftung ist, sondern eine Bewegung – eine, die wächst, weil immer mehr Menschen verstehen, wie nah die Heilung von Querschnittslähmung bereits gerückt ist.

Zusätzlich hat Wings for Life unter ihrer Ägide das sogenannte Accelerated Translational Program (ATP) entwickelt. Dieses Programm ist darauf ausgelegt, den Zeitraum zwischen präklinischer Forschung und klinischer Studie zu verkürzen – also jene kritische Phase, in der wissenschaftliche Erkenntnisse auf ihre Anwendbarkeit am Menschen getestet werden. Durch das ATP soll die Forschung nicht nur gefördert, sondern aktiv beschleunigt werden.

Inspiration für eine Generation

Anita Gerhardter ist längst mehr als eine Stiftungsleiterin – sie ist eine Inspiration. In zahlreichen Interviews, Vorträgen und öffentlichen Auftritten hat sie gezeigt, dass echte Veränderung möglich ist, wenn man mit dem Herzen führt und mit dem Verstand handelt. Sie hat eine Organisation aufgebaut, die nicht nur Geld sammelt, sondern wissenschaftlichen Fortschritt aktiv gestaltet. Und sie hat bewiesen, dass eine Non-Profit-Stiftung mit klarer Vision und konsequentem Handeln zur treibenden Kraft in einem ganzen Forschungsfeld werden kann.

Ihre Botschaft an alle, die sich fragen, wie sie helfen können, ist einfach und eindringlich: Mitmachen. Laufen, spenden, die Botschaft verbreiten. Jeder Schritt zählt – im wahrsten Sinne des Wortes. „Die Schönheit dieses Rennens ist, dass es keine Rolle spielt, wie schnell oder wie weit du kommst. Es kommt darauf an, dass du mitmachst und für jene läufst, die es nicht können.”

Über Kern Nachrichten

Dieser Artikel wurde von Kern Nachrichten veröffentlicht – Ihrem deutschsprachigen Nachrichtenportal für Hintergrundberichte, Persönlichkeitsprofile und aktuelle Themen aus den Bereichen Gesundheit, Gesellschaft, Sport und Wissenschaft. Kern Nachrichten setzt auf tiefgründigen Journalismus, der informiert, inspiriert und bewegt. Wir sind überzeugt: Geschichten wie die von Anita Gerhardter und Wings for Life verdienen es, erzählt und gehört zu werden.

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